Am 17. Mai ist internationaler Welt-Hypertonie-Tag und bereits vor einigen Jahren schon hat die International Society of Hypertension (ISH) den Monat Mai zum sogenannten May Measurement Month erklärt, um auf ein Krankheitsbild hinzuweisen, das trotz vielfältiger Behandlungsmöglichkeiten weiterhin zu den häufigsten Gründen für einen Besuch in der Arztpraxis gehört: die arterielle Hypertonie (umgangssprachlich: Bluthochdruck).

Laut der ESC/ESH-Leitlinie besteht eine arterielle Hypertonie, sobald das Messgerät 140/90 mmHg anzeigt und das Risiko für dieses Krankheitsbild steigt mit zunehmendem Alter weiter an. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck erhöht das Risiko für Herzinfarkt und KHK sowie Herzinsuffizienz und Nierenversagen, was unbehandelt bei den meisten Patienten zu einem frühzeitigen Tod führt. Häufig ist eine arterielle Hypertonie multifaktoriell bedingt und resultiert aus dem Zusammenspiel von abnormer Gefäßbiologie, einer reduzierten Bioverfügbarkeit von Stickstoffmonoxid (NO) sowie Entzündungen und oxidativem Stress. Dazu beeinflussen genetische Veranlagungen sowie der Lebensstil des Patienten das Krankheitsbild.

Neben der richtigen Medikation ist es für Menschen mit Hypertonie von großer Wichtigkeit, ihre Ernährungsgewohnheiten zu hinterfragen und entsprechend umzustellen. Die modernen Ernährungsweisen (vor allem in westlichen Industrieländern) führen oftmals zu Störungen im Mikronährstoffhaushalt des Menschen: zu viel Salz, zu wenig Kalium, ein Ungleichgewicht zwischen Omega 3- und Omega 6-Fettsäuren, dazu eine mangelhafte Aufnahme von Proteinen, Fasern und Magnesium. Dazu kommt, dass ein erhöhter oxidativer Stress die NO-Bioverfügbarkeit reduziert und somit die Vasodilatation stört. Ebenso tragen abnormale vaskuläre Immunantworten zum Krankheitsbild der arteriellen Hypertonie bei: niedrige IL-10-Level, hohe Level an hs-CRP sowie vermehrtes Aufkommen an proinflammatorischen Cytokinen sind gute Marker für erhöhten Blutdruck.

Um den Einfluss der Ernährungsumstellung bzw. die Rolle bestimmter Nahrungsmittel(bestandteile) auf die Pathophysiologie der Hypertonie zu untersuchen, wurden viele verschiedene Studien mit Patienten durchgeführt, die allesamt zeigen konnten, dass sich Änderungen der Ernährungsgewohnheiten positiv auf den Verlauf des Bluthochdrucks auswirken. Im Folgenden soll deshalb kurz auf die wichtigsten Nahrungsmittelinhaltsstoffe eingegangen werden, bei denen ein Einfluss auf das Krankheitsbild der Hypertonie festgestellt werden konnte. Diese zusammengefassten Ergebnisse entstammen aus den unten genannten Quellen 1 – 3.

Natrium:

Eine erhöhte Aufnahme von Natrium ist neben Hypertonie mit vielen weiteren Krankheiten assoziiert wie beispielsweise Schlaganfall, Niereninsuffizienz, arterielle Steifheit und Herzinfarkt. Die schädliche Wirkung dieses Elements beruht auf der Steigerung der Steifheit der Endothelzellen, sodass deren Größe sowie Biegsamkeit beeinträchtigt werden. Weiterhin führt Natrium zur Verringerung der Verfügbarkeit von NO, was eine wichtige Funktion bei der Vasodilatation hat, und erhöhtem oxidativen Stress. Eine reduzierte Aufnahme an Natrium bzw. Kochsalz senkt den Blutdruck und vermindert so das Risiko für die oben genannten Krankheiten.

Kalium:

Die gesteigerte Aufnahme von Kalium senkt den Blutdruck sowie das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Dahinter verbergen sich verschiedene Mechanismen wie z. B.  eine erhöhte Ausscheidung an Natrium und eine Absenkung des intrazellulären Natrium-Spiegels, eine verbesserte Insulinsensitivität sowie die Beeinflussung der Baroreflex-Sensitivität. Weiterhin senkt ein Anstieg der Kalium-Konzentration die Aktivität der NADPH-Oxidase, was wiederum oxidativem Stress und Entzündungen entgegenwirkt.

Im Optimalfall sollten vier bis fünf Mal mehr Kalium als Natrium aufgenommen werden, allerdings ist eine gesteigerte Kalium-Aufnahme bei Patienten mit gestörter Nierenfunktion oder Medikation, welche die renale Kalium-Zurückhaltung beeinflussen, mit Vorsicht zu beobachten.

Magnesium:

Studien zeigen einen inversen Zusammenhang zwischen der Magnesium-Aufnahme und dem Auftreten der Hypertonie. Der blutdrucksenkende Effekt von Magnesium wird auf verschiedene Weise erzielt: Magnesium konkurriert mit Natrium und Calcium um Bindestellen an vaskulären glatten Muskelzellen und simuliert dadurch den Effekt von Calciumkanal-Blockern. Weiterhin führt eine vermehrte Aufnahme von Magnesium zum Anstieg an Prostaglandin E, einer vermehrten NO-Synthese sowie einer verbesserten Funktion der Gefäße. Zudem scheint der blutdrucksenkende Effekt von Magnesium durch die gleichzeitige erhöhte Zufuhr an Kalium und der Reduktion von Natrium verstärkt zu werden. Eine gesteigerte Aufnahme von Magnesium sollte allerdings bei Patienten mit Niereninsuffizienz oder erhöhter renaler Magnesium-Zurückhaltung nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

Zink:

Ein weiterer Zusammenhang besteht zwischen Bluthochdruck, dem Spiegel des Serum-Zink und dem Zink-abhängigen Enzym Lysyl-Oxidase. Der Mikronährstoff reduziert als Antioxidationsmittel den oxidativen Stress sowie das Auftreten von Entzündungen und spielt eine Rolle in der Regulierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS). Genetische Defekte im Zinktransporter führen zu intramuskulären Zink-Defiziten und können ebenfalls zum Auftreten von arterieller Hypertonie beitragen.

Vitamin C:

Viele Studien haben festgestellt, dass die Aufnahme von Vitamin C invers mit Bluthochdruck korreliert. Hypertonie-Patienten weisen signifikant niedrigere Vitamin C-Level auf verglichen mit normotensiven Kontrollgruppen. Die vermuteten Wirkmechanismen sind unter anderem eine verbesserte Endothelfunktion durch Zunahme von NO sowie eine vermehrte Ausscheidung von Natrium. Weiterhin könnte die Abnahme der adrenergen Steroidproduktion sowie die Zunahme der Superoxid-Dismutase eine Rolle spielen. Zudem scheint die Gabe von Vitamin C zusätzlich die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln (z. B. Amlodipin) zu verbessern.

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren:

Die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, allen voran EPA und DHA, zeigen ebenfalls blutdrucksenkende Effekte. Das geschieht unter anderem durch eine vermehrte Bildung von NO durch Hochregulierung und Aktivierung von eNOS sowie durch die Verschiebung der Prostaglandin-Synthese zugunsten derer mit gefäßerweiternden Effekten. Außerdem wird die Insulinresistenz gesenkt und der Gefäßdruck durch Stimulation des parasympathischen Nervensystems reguliert. Daneben haben die Fettsäuren einen Einfluss auf das RAAS.

Vitamin D:

Auch Vitamin D konnte bei hypertensiven Patienten positive Effekte aufweisen. Die Behebung eines bestehenden Vitamin D-Mangels beeinflusst die Elektrolytbalance und dadurch das Blutvolumen sowie den Blutdruck. Über die Bindung an den Vitamin D-Rezeptor wird die Bildung von Renin in der Niere supprimiert und somit die gefäßverengende Wirkung durch das RAAS vermindert. Zudem werden proinflammatorische Cytokine verringert, die Bioverfügbarkeit von NO erhöht und eine verbesserte Endothelfunktion sowie arterielle Elastizität erreicht.

Neben den oben genannten Mikronährstoffen zeigen noch viele weitere Stoffe bzw. Produkte eine blutdrucksenkende Wirkung, die nicht unerwähnt bleiben sollten.

Coenzym Q10:

Knoblauch:

Kakao:

Tee (grün und schwarz):

Lycopin:

Für genauere Informationen zu den aufgeführten Inhaltsstoffen und deren Wirkung in hypertonen Patienten sei der Leser auf die nachfolgenden Veröffentlichungen hingewiesen:

  1. Mark C. Houston, „Treatment of Hypertension with Nutrition and Nutraceutical Supplements: Part 1” (2018), DOI: 10.1089/act.2018.29191.mho
  2. Mark C. Houston, “Treatment of Hypertension with Nutrition and Nutraceutical Supplements: Part 2” (2019), DOI: 10.1089/act.2018.29197.mho
  3. Cicero et al., “Nutrients and Nutraceuticals for the Management of High Normal Blood Pressure: An Evidence-Based Consensus Document” (2019), DOI: 10.1007/s40292-018-0296-6